Hövelhof, 23.07.2015

Dem Fremden der Nächste sein

Flüchtlingshilfe erhält ersten Preis im Wettbewerb „Westfalen bewegt“

Es gibt viele Gründe, aus denen Menschen zu uns kommen. Sei es, weil sie in ihrer Heimat verfolgt werden, weil dort Krieg ist oder sie die Lebensbedingungen katastrophal finden. In Deutschland angekommen sehen sie sich mit einer schwierigen Situation konfrontiert: fehlende soziale Kontakte und Sprachkenntnisse sowie bürokratische Herausforderungen. Den Menschen die Eingewöhnung in ihre neue Umgebung zu erleichtern, sie dauerhaft und nachhaltig zu integrieren, hat sich der Sport und Jugendclub (SJC) Hövelriege zum Ziel gesetzt. „Menschen sehen die Not, in der andere Menschen sich befinden. Sie nehmen sich ihrer an, wollen dem Fremden einfach nur der Nächste sein und verlassen sich nicht allein darauf, dass der Staat es schon richten wird. Das ist beispielhaftes bürgerschaftliches Engagement“, begründet Dr. KarlHeinrich Sümmermann, Vorstandsvorsitzender der Stiftung WestfalenInitiative, warum deren Jury das Projekt „Flüchtlingshilfe Hövelriege“ mit dem ersten Preis im diesjährigen Wettbewerb „Westfalen bewegt“ ausgezeichnet hat.

Intensiver ehrenamtlicher Einsatz für die Integration von Flüchtlingen hat beim SJC Hövelriege schon eine fast zwei Jahrzehnte währende Tradition. Vorrangig nahmen sich die Sportler der Menschen aus Afrika und dem ehemaligen Jugoslawien an. „Die aktuelle Zuwanderung aber erfordert neues Engagement. Die Zahl der Flüchtlinge steigt und damit die Herausforderung. Wir wollen und müssen die Hilfe vernetzen und koordinieren“, skizziert Martin Bretschneider die aktuelle Entwicklung. Der SJCFußballobmann ist eine treibende Kraft der Flüchtlingshilfe.

Die Neunankömmlinge werden eingebunden in das Vereinsleben und den Ort. Sie können das Sportclubheim und die Anlage des SJC als Treffpunkt nutzen. Deutschkurse, juristische Beratung, traumapädagogische Hilfe, Unterstützung beim Einkauf und bei anderen alltäglichen Anforderungen des Lebens – die Aufgaben der Helfer sind vielfältig. Zu deren erfolgreicher Bewältigung hat der Sportverein die Gemeinde Hövelhof und die Stadt Schloß HolteStukenbrock sowie alle Mitglieder des „runden Tisches zur Flüchtlingshilfe“ als Kooperationspartner gewonnen.

„Die Menschen erhalten hier eine neue Heimstatt. Sie werden eingebunden in die Fußballabteilung, in die Kinderkulturgruppe und soziokulturelle Arbeit, in Theatergruppen und Jugendfreizeiten. Durch dieses bürgerschaftliche Engagement ist eine Kultur des Umgangs miteinander entstanden, die ein rein verwaltungstechnisches Abarbeiten der Aufgaben nicht leisten kann. Das geht weit über ein administratives Herangehen an die Menschen hinaus. Dadurch fühlen sich die Flüchtlinge an und in ihrer Situation und ihrem Schicksal ernst genommen“, lobt Bürgermeister Michael Berens die Initiative, die dazu beitrage, Barrieren im Miteinander abzubauen.

„Wir nutzen den Fußball als Magneten für diese Arbeit. Wir müssen auf diese Menschen zugehen und den ersten Schritt tun. Sie können es nicht. Wir sind in der privilegierten Situation“, formuliert SJCVorsitzender Hubert Renneke seine feste Überzeugung. Er bezeichnet den Preis der WestfalenInitiative als „Auszeichnung für die engagierte ehrenamtliche Hilfe für Flüchtlinge in der Gemeinde“. „Dieses ehrenamtliche Engagement in unserer Region ist beispielhaft. Umso mehr freut es uns, dass der SJC Hövelriege diese besondere Auszeichnung erhält. Allen Beteiligten, die durch ihre Ideen und uneigennützige Bereitschaft beim SJC mitwirken, wünschen wir auch in Zukunft die nötige Kraft für die Umsetzung der vielfältigen Angebote", erläutert Franz Lipsmeier, warum auch die von ihm als Vorstandsvorsitzenden geführte Volksbank DelbrückHövelhof eG und die WGZ Bank AG dieses bürgerschaftliche Engagement finanziell fördern.

Denn ehrenamtlicher Einsatz gerät bald an seine Grenzen, wenn er ganz ohne Geld auskommen muss. Für vorerst sechs Monate soll in Hövelhof eine Kraft weiteres bürgerschaftliches Engagement akquirieren und koordinieren. Fahrdienste fallen an. Dolmetscher und Sprachlehrer werden benötigt. Außerdem müssen Benzinkosten und Mahlzeiten bezahlt werden. Angesichts dieser Herausforderungen ist zugleich klar, wofür die 10.000 Euro Preisgeld verwandt werden.

Sümmermann zog anlässlich der Preisverleihung zugleich eine zufriedene Bilanz des Wettbewerbs „Westfalen bewegt“, der in diesem Jahr zum dritten Mal ausgeschrieben war. Er richtet sich an Gruppen in Westfalen, die in nachahmenswerter Weise die Gestaltung der Zukunft selbst in die Hand nehmen und nicht allein auf staatliche oder bereits institutionalisierte Hilfe bauen. Zehn solche Projekte und Initiativen fördert die WestfalenInitiative in 2015 mit insgesamt 37.000 Euro. „Alle Bewerbungen aber zeigen, dass Westfalen auf einem guten Weg ist, zu einer Modellregion bürgerschaftlichen Engagements zu werden“, so Sümmermann.